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             Auf dieser Fahrt entdeckte er die ganze Küsste des festen Landes vom Cap gracias a dios bis an einem Hafen, den er wegen seiner Anmuth und Sicherheit porte bello (den schönen Hafen) nannte. Vergebens suchte er die vermuthete Strasse, welche ihn in eine unbekannte See führen sollte, und obgleich er verschiedene Mal landete, und ins Land hinein reiste, drang er doch nicht ganz quer über die Landenge, die den Mexicanischen Meerbusen vom grossen Südmeere trennt. Er richtete nun seinen Lauf nach Hispaniola, nachdem er mit einem heftigen Sturme zu kämpfen gehabt hatte, der zwey seiner Schiffe vernichtete, kam nach Cuba, wo ihn wieder ein Ungewitter traf, dass er kaum mit seinen noch übrigen zwei Fahrzeugen die Insel Jamaica erreichte, wo er sie auf den Strand treiben musste, damit sie nicht untersänken. Das Maas seines Unglücks schien nun voll zu seyn: aber sein, an Erfindung von Hülfsmitteln immer reicher Geist entdeckte auch in dieser Noth ein Rettungsmittel. Er wendete sich an die liebreiche Güte der Eingebornen und erhielt von ihnen zwei Canots, auf welchen zwey seiner treuesten Gefährten mühsam nach Hispaniola gelangten. Der Statthalter dieser Insel, im mindesten nicht gerührt von der schrecklichen Lage des unglücklichen Columbus, der ihn um Hülfe anflehte, verwehrte ihnen das Aussteigen ans Land. Acht Monate lang baten sie um Aufnahme uns Schutz, aber vergebend. Während dieses Zeitraums hatte Columbus und seine Gefährten mit tausenderlei Leiden und Noth an der Küste von Jamaica zu kämpfen. Die rasenden Matrosen brachen öffentlich in eine Meuterei aus und bedrohten das Leben ihres Anführers. Sie bemächtigten sich mehrerer Canots und taub gegen seine Bitten, entwichen sie an einem abgelegenen Theil der Insel. Auch die Insulaner fingen an, über den langen Aufenthalt der Spanier unwillig zu werden, und wollten diese Fremdlinge nicht länger mehr ernähren. Die Empörer versuchten mehremal, in den Kähnen, deren sie sich bemächtigt hatten, nach Hispaniola überzusetzen, allein alle ihre Bemühungen waren ohne Erfolg. Wüthend über das Misslingen ihrer Anstrengungen zogen sie sich nach demjenigen Theile der Insel, wo Columbus geblieben war, und droheten ihm neue Gefahren und Beleidigungen. Während dessen ereignete sich aber ein noch weit grausamerer Zufall, als er von ihnen zu fürchten hatte. Der Statthalter von Hispaniola, noch immer voll schwarzen Verdachts gegen Columbus, schickte eine kleine Barke nach Jameica, nicht um seinen nothleidenden Landsleuten zu Hülfe zu kommen, sondern sie und ihre Lage auszukundschaften. Er gab das Commando, über dieses Fahrzeug dem Escobar, einem alten abgesagten Feinde von Columbus. Dieser, den erhaltenen Befehlen gemäss, näherte sich dem Strande in einem kleinen Boote, und nachdem er sich von dem elenden Zustande der Spanier überzeugt hatte, schicke er dem Weltentdecker einen Brief voll leerer Complimente zu, empfing darauf die Antwort und reiste ab. Dieser muthwillige Hohn kränkte Columbus und seine Gefährten tiefer, als alle bisher erlittenen Leiden. Sich so grausam getäuscht zu sehen, schmerzt den Rettung Erwartenden mehr, als alle Unglücksfälle.-

 

             Der unerschütterlich standhafte Mann verlor nichts destoweniger den Muth nicht und versprach den Theilnehmern seiner Leiden, dass er sie nie in ihrer Noth verlassen würde. Hierdurch besänftigt, erhoben sie ihren Muth und Vertrauen zu ihrem Anführer aufs neue. Ohne diese Standhaftigkeit war es auch unmöglich, den Empörern, die indessen zurückgekommen waren, zu widerstehen. Sie wurden überwältigt, untewarfen sich wieder alle einmüthig dem Admiral und gelobten ihm mit den feierlichsten Betheurungen, allen seinen Befehlen unbedingt zu gehorche. Kaum war die Ruhe wieder hergestellt, als man die Schiffe erscheinen sah, auf welche Columbus Hoffnung gemacht hatte, ohne eben viel darauf zu rechnen. Die Spanier verliessen mit lautem Jubel eine Insel, wo Ovando’s hartherzige Eifersucht sie über ein Jahr lang unter allen Gestalten des Elendes hatte schmachten lassen.-

 

             Als sie in Hispaniola ankamen, wandte der Statthalter alle Kunstgriffe niedriger Seelen an, dem Columbus seine heuchlerischen Gesinnungen zu verbergen. Er empfing ihn mit allen Zeichen der Hochachtung, und Auszeichnung, konnte ihn aber dennoch den im Herzen versteckten Groll und Hass nicht verbergen. Columbus ertrug, was nicht zu ändern war und traf Anstalten, den Welttheil auf immer zu verlassen, welchen er entdeckt hatte. Seine Zubereitungen waren bald geendigt und er segelte am 12ten September 1504 mit zwei Schiffen nach Spanien ab. Das Unglück, welches ihn sein ganzes Leben hindurch verfolgt hatte, hörte auch jetzt am Ende seiner Laufbahn nicht auf, ihn zu bestürmen. Eins seiner Schiffe wurde leck und musste nach Hispaniola zurückkehren : das andere von Stürmen hin und her geworfen, rettete sich noch mit genauer Noth in den Hafen von St. Lucas. Hier erhielt er die ihn tief erschütternde und schmerzliche Nachricht von dem Tode seiner grossen Wohlthäterin und Beschützerin, der Königin Isabelle. Mit ihr verlor er seine letzte Stütze, denn Ferdinand war ihm oft zuwider gewesen und hatte sich bei mehreren Gelegenheiten ungerecht gegen ihn bewiesen. -

 

             Sobald seine Gesundheit wieder einigermassen hergestellt war, erschien er bey Hofe. Er überreichte eine Bittschrift wegen Bestrafung seiner Unterdrücker und der Wiedereinsetzung in seine ehemaligen Rechte nach der Capitulation von 1492. Ferdinand aber, anstatt ihm seine gerechten Forderungen zu gewähren, hielt ihn von einer Zeit zur andern mit leeren Versprechungen hin. Columbus geschwächte Gesundheit gab dem Könige Hoffnung, des ungestümen Supplicanten (Bittsteller) bald los zu werden. Auch wurde er in seiner Erwartung nicht getäuscht. Der Undankbarkeit eines Monarchen, dem er mit so viel Treue und dem glücklichsten Erfolge die wichtigsten Dienste geleistet hatte, überdrüssig von Mühseligkeiten, Drangsalen und Verdruss erschöpft, und durch die Krankheit, welche davon die Folgen waren, endlich ganz entkräftet, endigte Columbus sein Leben zu Valadolid am 20ten Mai 1506, im 59ten Jahre seines Alters. Er starb mit derjenigen Ruhe und Seelenfestigkeit, welche immer seinen Charakter ausgezeichnet hatten, und mit einer Ergebung in den Willen der Vorsehung, die er in seinem ganzen Leben bei jeder Gelegenheit bewiesen hatte.

 

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             AMERICA war nun entdeckt und ein neuer, grosser Schauplatz dem Untersuchungsgeiste der Menschen geöffnet worden. Ehe wir es in seinen einzelnen Theilen genauer kennen lernen, wird es, wie mich dünkt, zur Uebersicht des ganzen  ungeheueren Welttheils nicht wenig nützen, wenn wir einige allgemeine Betrachtungen über seinen Zustand, Besonderheiten, bürgerlichen Einrichtungen u.s.w. vorausschicken.

Die mittleren und südlichen Theile dieser neuen Welt waren, wie wir so eben gesehen haben, durch Columbus und Vespucci der alten Welt bekannt geworden; der Norden des ungeheuren Landes ward er seit 1497 durch den Venetianer Cabot. Weit gefehlt aber, dass man diesen Erdtheil sogleich nach seiner physischen, geographischen und politischen Beschaffenheit hätte beobachten sollen, betrachtete man ihn bloss nach den Nutzen und Gewinne, den er den goldgierigen Europäern verschaffen konnte. Zwar rühmten sich schon die Dänen, bereits im 10ten und 11ten Jahrhunderte, von Island aus, den nördlichen Theil dieses Landes entdeckt zu haben und führen deshalb namentlich die Normänner an, welche durch eine Norwegische Colonie einen Theil desselben (das alte östliche Grönland) sollen bevölkert haben. Allein man weiss, dass diese Entdeckungen auf blossen Muthmassungen beruhen, und weder sonderlich in Umlauf gekommen, noch auch von Bestand gewesen sind. *)

*)          Der vormalige Americanische Gerneral Pearson wollte 1786 eine Entdeckung gemacht haben, aus welcher zu erhellen scheint, dass schon lange vor Columbus ein Volk aus der alten Welt in America angekommen seyn müsse. Er fand hinter Pensylvanien am Ohioflusse die Rudera einer grossen Stadt, wovon noch ein Thor ziemlich vollständig war, neben welchem sich eine Wasserleitung und eine Pyramide von Mauersteinen befand. Kein Indianer wusste davon Nachricht zu geben. Nach den Steinen zu urtheilen, hielt er sie über 600 Jahre alt. -

 

             So weit wir America kennen, ist es überall von Wasser umgeben. Ob seine, noch nicht recht bekannte, Nordseite auf irgend eine Art mit dem nördlichen Theile von Sibirien zusammen hängt, oder ob es ganz insularisch ist, bleibt noch künftigen Untersuchungen überlassen. Das Eismeer, der Scandinavische und Atlantische Ocean trennen es von Afrika, so wie der grosse Ocean eine gewaltige Scheidung zwischen America und Asien verursacht. Nur in Nordwesten nähern sich America und Asien so sehr, dass nur Cooks Beringsstrasse den Zusammenhang des ganzen festen Landes auf der Erdkugel verhindert. Selbst der bekannte Theil von Nordamerica reicht so weit nach Norden als Europa und Asien; Südamerica hingegen erstreckt sich sehr weit nach Süden, weiter als irgend eine Südspitze des ganzen festen Landes. -

 

             Diese ungeheuere Ausdehnung America’s von Süden nach Norden giebt ihm nun auch den Vorzug vor allen andern Erdtheilen, dass hier nicht nur, wie in Afrika, der Aequator und die beiden Wendekreise, sondern auch der nördliche Polarkreis hindurch streichen, so dass folglich auch America Länder von allen drei Zonen, nicht, wie die übrigen, nur von zwei Zonen, enthält : da es aber vom südlichchen Polarkreis einen Abstand von beinahe 13 Grad hat, so reicht es nicht bis in die kalte Zone hinein. -

 

             An Halbinseln ist America ungleich reicher als Afrika, kommt aber hierin in keine Vergleichung mit Europa und Asia. Inseln hat er mehr als Europa und Afrika, aber Asia hat die meisten und grössten.

 

Da America beinahe ganz unter die Europäischen Mächte getheilt ist, so wird es nicht unnütz seyn, hier anzuführen, welche Theile dieses unermesslichen Landes jeder Macht gehören. So besass demnach :

 

1.          Frankreich, die Inseln St. Peter und Miquelon, im Süden der Insel von Terre neuve, St. Domingo                               (Hispaniola), Desirade, Guadeloupe, Marie=Galante, St.Lucia, Martinique, Tabago, beim Eingange in den              Mexicanischen         Meerbusen, und einen Theil von Guiana.

2.         Spanien, die beiden Florida’s, Mexico, Neu=Mexico, Californien, Neu=Californien, in Nord=America;         die              Inseln Cuba, Porto=Rico, Boriqua, Tortola und Margaretha, im Mexicanischen Meerbusen; ferner Peru, Paraguay              und Chili in Süd-America.

3.         Holland, die Inseln St. Martin, Saba, St. Eustache, Curacao, und einen Theil von Guyana.

4.         Gross=Britannien, die Niederlassungen an der Hudsonsbai, Labrador, die Westküste von Neu=Albion,              Jamaica, die Inseln Dominique, Anguille, Antigua, Barbados, St. Vincent, Grenada und Trinidad.

5.         Portugal, das ganze grosse Reich Brasilien.

6.         Russland. Einige Niederlassungen an der Nordwerstküste von America und in den umliegenden       Bezirken              derselbe.

7.         Dänemark, das alte östliche Grönland, die Inseln St. Crux, St. Thomas und St. Johann, im      Mexicanischen              Meerbusen.

8. Schweden, die Insel Barthelemy.

 

             Wenn wir wissen, dass America beinahe die andere Hälfte der Erdkugel einnimmt, und nach seiner grössten Ausdehnung von Norden nach Süden wenigstens 1800 geographische Meilen beträgt, so ist seine geographische Lage und Gränze im Allgemeinen bestimmt. Noch genauer und richtiger aber giebt man sie an, wenn man die, den ganzen Erdtheil einschliessenden, Meere kennt und zu nennen weiss, und die Grade der Länge und Breite angeben kann. Dem zu Folge wird es in Osten vom westlichen, d.i. vom Atlantischen und Aethiopischen Ocean, in Westen vom grossen oder stillen Weltmeere, im Norden vom östlichen Eismeere begränzt, wo aber unaufhörlicher Schnee und Eisberge, von einem ewigen Winter erzeugt, die näheren Gränzuntersuchungen hindern : in Süden läuft es, wie Afrika, spitzig zu und kommt dem südlichen Eismeere sehr nahe.

 

             Im äussersten Norden hat es eine Ausdehnung von mehr als 150 Längengraden, nämlich vom 210. Grad bis 360. Grad; sonst beträgt die grösste Ausdehnung von Nordamerica unter 50 Grad Breite nur 30 Längengrade, und von Südamerica unter 50 Grad südlicher Breite 50 Längengrade, von Süden gegen Norden aber 136 Breitengrade, nämlich von 56 Grad südlicher bis 80 Grad nördlicher Breite. – Seine Grösse oder den Flächeninhalt schätzt Tempelmann auf 572,110 geographische Quadratmeilen : nach andern enthält es 753,000 und nach den neuesten Berechnungen über 800,000 Quadratmeilen.

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