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2.

 

Figur, Meere; Meer= und Landengen, Meerbusen, Buchten, Vorgebirge und Inseln.

 

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             Der Gestalt nach hat America seines Gleichen nicht auf dem Erdboden. Es sieht beinahe aus wie zwei umgekehrte, durch eine Schräge Landenge verbundene Dreiecke, hat aber beträchtliche Einbiegungen, welche auf gegenüberstehende, bald grössere, bald kleinere Aus= und Einbiegungen in Europa und Afrika ähnliche Beziehungen haben, z. B. das grössere Eskimosche Meer, oder die Westsee auf das kleinere Baltische Meer, oder die Ostsee; das mit Inseln wie besäete West = Atlantische, oder Mexicanische Meer, auf das Ost = Atlantische oder Mittelländische Meer. Auch Theile des festen Landes haben Beziehung gegen einander, z. B. da, wo der nordöstliche Theil von Südamerica eingebogen ist, siehet man schräg gegen über die nordwestliche Küste von Afrika ausgebogen; so wie hingegen America weiter nach Süden hervorstehet, wo in Afrika der grosse Guineische Meerbusen ist.

 

             Die America umgebenden, Meere haben wir vorhin kennen gelernt. Sie dringen besonders auf der Ostseite in grosse Busen ins feste Land, von denen die merkwürdigsten sind:  die Bassins= und Hudsonsbai, der Mexicanische Meerbusen, Mare Vermejo oder das Purpurmeer, Massachusetsbai, Busen von St. Lorenz, Hondurasbai  u. a. m.

 

             Merkwürdige Meerengen sind: die Cook’s= oder Beringsstrasse, welche America vom nördlichen Asien trennt, die Hudsonsstrasse, die Davisstrasse, Cumberlandstrasse, Bassinsstrasse, und Magellanische Strasse.

 

             An Landengen fehlt es ebenfalls nicht. Die merkwürdigste darunter ist die von Panama oder Darien, durch welche America in zwei grosse Halbinsel, in Nord= und Südamerica getheilt wird.

 

             Unter Vorgebirgen merken wir hier nur: das Eiscap oben am Eismeere, Cap Prinz Wales, Cap Farewell (auch   Staaten=Hoot) an der südlichen Spitze von Grönland, Cap St. Lucas von Californien, Cap Sable von Florida, Cap St. Roque von Fernambuk und das Cap Horn an der Südspitze, das berühmteste unter allen Americanischen      Vorgebirgen.

 

             Um die Küsten von America herum liegen eine Menge grössere und Kleinere Inseln, die wir hier im Allgemeinen anführen, ihre nähere Beschreibung aber bis an ihren Ort versparren wollen.

            

             Die Inseln an der Ostküste der Hudsonsbai, die vom ewigen Eis und Schnee starren. – Die Inseln an der Ostküste von Neubritannien und Canada, unter welchen Newfoundland oder Terreneuve die grösste und wichtigste ist: St. John, Antikosti und Magdaleneninsel ebendaselbst. –

 

             Die Bermudas = (auch Sommer= oder Teufels=) Inseln an der Ostküste von Neu= Braunschweig, 400 an der Zahl, unter welchen St. Georg die grösste ist. -  Die unter dem Namen der Aleutischen oder Fuchsinseln vorkommenden, an der Nordwestküste von America, der Halbinsel Alaschka gegen über liegenden doppelten Inselgruppen, welche zu Russland gehören; so auch die Königin Charlottens= Inseln an derselben Seite. – Ferner die Inseln Rhode= Island, südlich von Masssachusets, an der Küste der vereinigten Nordamericanischen Freistaaten; Long= Island, ebendaselbst u. a. m.

Die Westindischen Inseln: a) die grossen und kleinen Antillen, b) die Bahama= oder Lucajischen Inseln; zusammen bei weitem die reichsten und wichtigsten in ganz America. Ihre Beschreibung folgt weiterhin bei der Darstellung von Mittelamerica oder Westindien.

 

             Endlich die Südamericanischen Inseln, unter welchen wir hier folgende bemerken: das Feuerland, die Falklands= Inseln, der Archipelagus de los chonos, die Inseln Juan Fernandez und die Gallopagos= Inseln. So viel einstweilen zur allgemeinen Uebersicht. Die genauere, besondere Darstellung werden wir bei der Beschreibung der einzelnen Theile und Länder geben.

                         

 

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3.

 

Naturbeschaffenheit, Klima, Boden, Berge, Seen und Flüsse.

 

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             Da sich America durch alle Zonen erstreckt und sich so weit vom äussersten Norden bis nach Süden herabzieht, in einer Ausdehnung von mehr den 1800 teutschen oder geographischen Meilen; so muss die Beschaffenheit seiner Länder, das Klima, die Vegetation und Production, das Erdreich, die Witterung und Temperatur der Luft, sehr verschieden seyn. Aber eben diese erstaunliche Ausdehnung America’s, von der Nähe der südlichen kalten Zone (die nach ihrem physischen Wirkungskreise weit grösser ist, als die nördliche,) durch die gemässigten und heissen Zonen hindurch, bis tief in die nördliche kalte Zone hinein, giebt ihm den Vorzug vor allen andern Erdtheilen, dass hier nicht nur wie in Afrika, der Aequator und die beiden Wendekreise, sondern auch der nördliche Polarkreis durchstrichen, und eben aus diesem Grunde so sehr verschiedene Himmelsstriche und Abwechselungen des Bodens und er Luft gefunden werden. Man trifft hier die strengste Kälte und sehr grosse Hitze an: überhaupt aber ist dieser Erdtheil kühler, als die andern dreie unter gleicher Breite. So ist  z. B. vom 45 bis 50ten Grade nördlicher Breite der Winter sehr hart und lang, da Frankreich und mehrere angenehme Länder Teutschlands unter derselben Breite liegen. Unter 46 Grad friert selbst der Weingeist, was sonst anderwärts nie unter dieser Breite geschieht. Selbst unter und im Süden der Linie ist die Hitze erträglich und weit gemässigter als in Afrika, weil das Land dort  schmal und hoch ist. Unter 45 Grad zittern selbst die Eingeborenen mitten im Sommer vor Frost. Die Hauptursache dieser Erscheinung ist, weil America noch zu wenig angebaut ist und noch ungeheuere Wälder, Sümpfe und Moräste in sich enthält.

 

             Alle Ostamericanische Länder, die wir kennen, sind um 10 bis 12 Grade kälter als Europäische und Afrikanische unter gleichem Grade der Polhöhe. Der Ursachen lassen sich, ausser der schon angegebenen, mehrere anführen:

 

             a)          America hat eine so ungeheure Ausdehnung von Süden nach Norden und eine so                                                                    unverhältnissmässig geringe von Westen nach Osten.

 

             b)         Das feste Land ist, in Vergleich gegen die grossen Oceane, an welche es stösst, sehr klein.

 

             c)          Nicht nur ganz Südamerika, sondern auch der grössere Theil von Nordamerica, hat den Ocean in                                  Osten; da hingegen Europa in Osten ganz Asia, und Afrika dasselbst zum Theil gleichsam zum                                        Schutz und zur Vormauer gegen die kalten Ostwinde hat.

 

             So wie die kühlere Luft in den Zuckerinseln und auf dem festen Lande von America (das nördlichste ausgenommen) den aus viel heissern Gegenden kommenden Negern weit mehr Stärke und Schnelligkeit giebt; so ist sie dennoch für die Europäer zu milde und erschlaffend, spannt diese ab, und schwächt sie, daher die wenigsten hier auch nur ein mässig hohes Alter erreichen.

 

             Auch in diesem Erdtheile heitern die Winde, welche über die grösste Strecke des festen Landes wehen, den Lufthimmel auf und bringen trockenes Wetter, welches in unserm Erdtheile die Ost= oder Nordwinde thun, indem sie meistens Sonnenschein herbeiführen; da sie hingegen in jener Weltgegend fast immer einen umwölkten Himmel und Regen hervorbringen, eben weil sie unmittelbar über die See kommen und Feuchte Dünste mit sich nehmen.

 

             Sechs oder sieben Zoll tief ist die Erde in America schon sehr kalt, und zwar selbst unter dem heissesten Himmelsstriche: auch sind die Americanischen Gegenden unter gleicher Polhöhe, wie schon vorhin bemerkt wurde, verhältnissmässig beinahe durchgehends weit kälter, als die Gegenden der andern Welttheile. Besonders kühl sind die Nächte, selbst im heissesten Sommer, so dass man Mäntel und wärmende Decken vertragen kann. –

 

             Die grösste Kälte herrscht in dem äussersten Norden von America, so wie auf den Cordillerasgebirgen  und auf dem Feuerlande; die stärkste Hitze in den Ländern und Inseln unter dem Aequator und dem Wendezirkel des Krebses.

 

             In Absicht des Bodens und dessen mehrerer oder minderer Fruchtbarkeit findet, wie überall, auch hier ein grosser Unterschied Statt. America hat die vortheilhafteste Abwechselung von Bergen, Thälern und Ebenen, unabsehbare Waldungen, als kaum ein anderer Theil der Erde besitzt, das fruchtbarste und fetteste Erdreich bis zu den kahlsten Steppen und dürresten Sand= Wüsten, auch hinlängliche Wässerung seines Bodens durch viele Haupt= und eine Menge Küstenflüsse. An den Küsten ist das Land meistens eben, sandig und niedrig, von mittelmässiger Fruchtbarkeit, weiter im Innern findet man fruchtbareren Boden. Dies ist besonders der Fall in den Nordamericanischen  Freistaaten. In andern Provinzen ist der Boden steinig lehmig und hat nur eine leichte Oberlage von guter, schwarzer Erde, wie z. B. hier und da in Canada. – Die Thäler und Niederungen haben den schönsten Graswuchs, die lachendsten Wiesen und fettesten Weideplätze. – In manchen Gegenden kommen die Europäischen Getreidearten, Obst und Gartenfrüchte vortrefflich fort; in andern wollen sie nicht gedeihen; manche sind daher zum Ackerbau sehr gut geeignet, andere wollen ihn durchaus nicht gestatten; in manchen ist die Aernte reichlich, in andern wieder sehr kärglich; in manchen ist der Boden sumpfig und morastig, in andern trocken. Manchen Gegenden fehlt es an Regen, andre haben davon vielen Ueberfluss. In manchen Gegenden ist die Erde zum Reiss= und Maisbau, in andern zu Zucker, Tabak=, Caffee= und Baumwollanpflanzungen geschickt u. s. w.

 

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