America hat vor den übrigen Erdtheilen das Eigene voraus, dass es die höchsten Berge und die grössten Flüsse und Seen enthält. Zu jenen gehören vorzüglich die Cordilleras de los Andes, eine ungeheuere Gebirgskette, die sich bei der südlichsten Spitze anfängt, an der Westküste nach Norden hinläuft und weiter reicht, als wir das Land kennen. Der höchste Rücken dieses ungeheueren Gebirges befindet sich in Südamerica, in der Nähe des Aequators. So ist z. B.  der Chimborasso, der höchste Berg, welchen wir kennen, 19,960 Fuss über der Meeresfläche erhaben. Die Ebene von Tapia, auf der er steht, ist 1483 Klafter über dem Meere hervorragend, also nur um 1/10 niedriger, als der Aetna. Daher reicht der Gipfel dieses Riesenbergs blos 2463 ½ Klafter über diese Bergfläche weg. Nicht weniger als 12 dieser Berge haben die Höhe von 1400 – 18,000 Fuss, sind Vulkane, die wahrscheinlich durch ihre Ausbrüche und Erschütterungen der Magellanischen Strasse die Entstehung gaben. Die meisten sind, selbst in der heissesten Zone, mit ewigem Schnee bedeckt. Dieselbe Gebirgskette ziehet  sich in mehreren Armen bis tief nach Nordamerica hinein und längs der östlichen Küste von Californien. So entstehen die Apalachischen, blauen und Alleghanischen Gebirge; doch sind die Nordamericanischen nicht so hoch und wild, als die südlichen. Manche Aeste laufen noch auf dem Meeresgrunde fort, bis in das stille Meer hinein. Die nähere Beschreibung behalten wir uns vor, bis wir in jene Gegenden selbst kommen.

In America findet man auch die höchsten Hochebenen der Erde. Das ganze Innere des Königreichs Mexico und ein grosser Theil von Neu= Biscaya bildet eine einzige ungeheure hohe Fläche von 6000 bis 8000 Fuss über dem Meeresspiegel. Ind Südamerica sind Hochebenen von 8000 – 9000 Fuss, wie im Königreiche Quito und nördlicher in der Provinz Pastos; aber keine hat über 20 Meilen im Umfange, und sie sind durch überaus tiefe Thäler von einander getrennt.

 

             Bei den Gewässern können wir als eine allgemeine Bemerkung vorausschicken, dass dieser Erdtheil die grössten Ströme und die grössten Landseen (das Caspische Meer ausgenommen) auf dem Erdboden hat und überhaupt sehr wasserreich ist.

 

             a)          Seen. Die hauptsächlichsten Landseen, (welche in der Folge genauer beschrieben werden sollen) sind:

 

                          1)          In Nordamerica, der Sclavensee, Huronsee, Winnipegsee, der Erie= und Ontariosee, der obere See,                                            Mischigansee, Mistassius= Doegssee, Michivansee.

                          2)         In Südamerica, der Parimasee, Titikakaka= und Marakansee.

 

             b)         Ströme. Wir zählen hier bloss die Hauptströme auf, da wir die kleinern bei den Ländern erwähnen werden,                           zu welchen sie gehören.

 

             In Nordamerica, a) der St. Lorenzstrom, welcher nach einem Laufe von fast 600 Meilen, sich, der Insel Neu= Foundland gegenüber, in das Atlantische Meer ergiesst. b) Der Missisipi, welcher 2000 Englische Meilen lang ist und sich in den Mexicanischen Meerbusen stürzt. c) Der Ohio, welcher aus der Vereinigung des Alleghany und Monogahala entspringt, über 40 kleinere Flüsse aufnimmt und an 1000 Ellen breit sich mit dem Missisippi vereiniget.

In Südamerica: a) Der Maranyon oder Amazonenfluss, aus dem höchsten Berge, dem Chimborasso, entspringend, durch die grösste Ebene der Erde fliessend, nimmt mehr denn 60 Ströme auf, die an Grösse der Donau und dem Nil gleich kommen und fällt nach einem Laufe von beinahe 1000 Meilen durch eine fast 40 Meilen breite Mündung ins Meer. b) Der Orinoko, (oder Oronoko) hat gewöhnlich eine Breite von ¾ und 1 Meile, kliesst durch Neu= Granada und ergiesst sich, nachdem er 50 andere beträchtliche Flüsse aufgenommen hat, in den Atlantischen Ocean. c) Der Rio de la Plata oder Silberfluss, welcher Anfangs den Namen  Paragay, dann Parana führt, fällt nach einem Laufe von mehr den 600 Meilen, zuletzt mit einer Breite von 18 – 20 Meilen ins Atlantische Meer.

 

                                          

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4.

 

Naturprodukte, Mineralien, Pflanzen, Thiere.

 

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              America besitzt einen unschätzbaren Reichthum an Naturprodukten der mannichfaltigsten Gattungen und Arten in allen drei Reichen. Seine unermessliche Grösse und Ausdehnung, die Verschiedenheit des Bodens, der Lage und natürlichen Beschaffenheit seiner Länder, erzeugen eine eben so grosse Verschiedenheit in seinen Productionen, so wie in seinen Bedürfnissen. Mehrere dieser  Erzeugnisse sind ihm unausschliesslich eigen, wie z. B. der Tabak, die Kartoffel, der Mais u. a. m. die jetzt auch durch Verpflanzung das Eigenthum anderer Erdtheile geworden sind. Noch besitzt es fast allein Cacao, Indig, China, Vanille und Cochenille, ausser sehr vielen andern schönen und nutzbaren Holz= und Pflanzenarten, von denen die erfinderischen Europäer den mannichfaltigsten und nützlichsten Gebrauch zu machen gewusst haben. An Gold und Silber besitzt es einen sikcgeb Ueberfluss, dass, wenn es eher, als die übrigen Theile der Erde, bewohnt und cultivirt worden wäre, wohl schwerlich diese beiden Metalle zum Massstabe des Werthes der Dinge würde gewählt worden seyn. 

 

             America hat ferner viel mehr eigene Thierarten, als einer der andern Erdtheile, aber kleinere und schwächere; dabei einen höchst nachtheiligen Mangel an gezähmten und zähmbaren Hausthieren, diesen so treuen Gefährten der Menschen, in deren Gesellschaft ihr einziger ihnen angeschaffener Trieb, der Trieb zur Nachahmung aller bemerkten Geschicklichkeiten und Künste, und durch diesen selbst die Vernunft zu erwachen und thätig zu werden pflegt. In diesem ganzen grossen Erdtheile gab es, vor seiner Entdeckung bei der Ankunft der Europäer kein Rindvieh, keine Pferde, keine Schafe, Ziegen, Schweine, Esel, Hunde, Kameele. Die einzigen zahmen Thiere, welche America ursprünglich eigen aht, sind das Llama, Alpaca und die Kameelschafe der Mexicaner, Peruaner und Chilianer. Die Geschenke, welche die Europäer den Americanern durch jene zahmen Thiere gemacht haben, mögen wohl denen, welche sie von ihnen dagegen empfingen, so ziemlich das Gleichgewicht halten. Aber leider tauschten die neue und die alte Welt auch lebensgefährliche Dinge gegen einander um: jene gab die Lustseuche und noch neuerdings das gelbe Fieber, und diese die Blattern und den Branntwein noch obendrein! 

 

             Die wichtigsten und vornehmsten dieser Naturschätze zeigen wir hier bloss überhaupt und nach einer allgemeinen Uebersicht an; das Einzelne und dessen ausführlichere Beschreibung bleibt der Darstellung der einzelnen Länder, in welchen wir sie finden, aufbehalten.

 

             1)          An Mineralien giebt es in America: Platina, Gold, Silber, *) Kupfer, Eisen, Blei, Quecksilber, Diamanten,                                 Rubine, Sapphire, Smaragden und andere edle Steinarten. Ferner: Salz, Salpeter, Perlen, Barax, Umbra u.                              f. w.  Auch an Mineralquellen ist kein Mangel.

 

             *) Von diesen edlen Metallen giengen seit 1593 bis 1775, also in 183 Jahren, nur allein nach Spanien und Portugal              6422 Millionen Piaster oder über 8000 Millionen Thaler ein ! –

 

             2)         An Pflanzen finden sich : beinahe alle Arten von Getreide, Obst und Küchengewächsen, Mais, (die                                              allgemeine Nahrung) Kartoffeln, Cacao, Cochenille, Peruanische Rinde, Vanille, Tabak, Färbehölzer,                                        Ananas, Pomeranzen, Cotronen, Baumwolle, Indigo, Maniok, Ingwer, Sassafratz, Ipekakuanya, Sassaparille,                           Tamarinde, Castia, Zuckerrohr, Caffe, Zuckerahorn, Oel= und Wachsbäume, Flachs, Hanf, Wein, Cedern,                              Kohlpalmen, Pisang, Acacien, Gummibäume, Bataten, köstliche Pflaumenarten, die wohlschmeckendsten                              Aepfel und Birnen, insbesondere die delicate Avocadobirn, Nüsse und die schönsten, von der Natur                                           gefärbten Hölzer, welche unter den Europäischen Künstlern, besonders bei den Tischlern, einen Wett= und                           Kunsteifer in eingelegter Arbeit hervorbrachten, sie so vollkommen und der Malerei so ähnlich, als möglich                           zu machen. Der Nordamericanische Baumarten, die eine Höhe von 30 Schuh und mehr erreichen, sind 134                           bekannt, von denen 95erlei als Bauholz oder Kunstarbeiten benutzt werden.

 

             3)         Thiere. Ein Theil der vierfüssigen Thiere kam wahrscheinlich von der Ostseite Asiens herüber, welches                                    dadruch Bestätigung erhält, dsas von den 25 Arten Kamtschadalischer Landthiere, 17 in America gefunden                           werden. Aber ein grosser Theil wanderte auch wohl aus dem Europäischen Norden dahin, oder schwamm                              auf Treibeis hinüber. Die Europäischen, hierher gebrachten, Thiere arten nur wenig, viele gar nicht, aus.                                Aber Klima, Nahrungsmittel und Boden haben dadurch eine nachtheililge Wirkung sowohl auf die Pflanzen,                           als auf die Thiere, dass unter den ersten manche nicht den lieblichen Geschack und Saft haben, auch bei                                 dem reizendsten Anblick kaum halb so viel Bestandtheile enthalten, als in den andern Welttheilen, und                                  unter den letztern beinahe durchgängig viel schlechtes, mageres und geringeres Vieh gefunden wird. Das                               Rindfleisch soll nicht so kräftig und nahrhaft wie bei uns seyn, das Schaf= und Kalbfleisch einen faden                                    Geschmack und wenig Nahrungsstoff enthalten; der Tieger und Löwe ist hier bei weitem nicht das muthige,                           furchtbare Thier wie in Afrika; der Bär latscht träge und dumm einher, und sein Fleisch gleicht dem                                          Schweinefleisch; das Büffelfleisch ist so weich, dass es roh kann gegessen werden; das Wildpret schmeckt                              fast wie das Fleisch zahmer Thiere, und Geflügel wie die  Haustauben. Alles hat so wenig nahrhafte Theile,                             dass es leicht verdauet wird. Selbst der Mensch soll diesem verweichlichenden Einfluss nicht entgehen,                                   sondern bald ausarten und vor der Zeit alt werden, so dass Männer im 40ten Jahre schon vielfältig                                            aufhören, Kinder zu zeugen, und Weiber im 30ten, Kinder zu gebären. Besonders ist dies in den                                                  Westindischen Inseln der Fall, wie beinahe alle Reisende einstimmig versichern.

 

             Wir bemerken hier im Allgemeinen folgende Thiere und Thierarten als die vorzüglichsten und merkwürdigsten: Pferde, Hornvieh, Schweine, Schafe, Ziegen, Kameele, Esel, Llama’s, Kämelschafe und Ziegen, Faulthiere, Stinkthiere, Schlangen, (die schreckliche Klapperschlange!) wilde Schweine, Löwen, Bären, Tieger, Wölfe, Affen, Rennthiere, Büffel; allerlei Pelzthiere, als Füchse, Zobel, Hermeline u. s. w. Hirsche, Glenthiere, biber, Armadille, Alligatoren, Scorpionen, eine Menge Wildbret und Geflügel, Schildkröten, Landkrebse von ungemeiner Grösse, Wallfische, fliegende Fische, Zitteraale, Crocodille, Muskiten, (grosse Stechfliegen,) Spinnen von ungewöhnlicher Grösse, den kleinsten Vogel Colibri, prächtige Papageien und andere buntgefiederte Vögel; wilde Hunde und Katzen, den Paradiesvogel und viele andere mehr, die wir noch in der Zukunft bei den einzelnen Ländern anführen werden.

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