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America’s Bewohner und deren Verschiedenheit nach Abstammung und Rassen, so wie nach Sprachen, in der Farbe, Bildung, in Sitten und Lebensart. Bevölkerung dieses Erdtheils. Europäer in America.

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             Die jetzigen Einwohner Americas, deren Anzahl mit der ungeheueren Arealgrösse des Landes in gar keinem Verhältnisse stehet, (der Americanische Geograph Morse rechnet 60 Millionen: man denke, auf beinahe 800,000 Geviertemeilen! *) )

 

             *) So kämen auf 1 Quadratmeile nicht mehr als 75 Menschen! – Russland zählt deren doch 143 auf 1 Q.M. , wenn              man seinen Flächeninhalt zu 350,000 Q.M. und seine Bevölkerung zu 50 Millionen ansetzt.

 

theilen sich in Ureinwohner und Fremdlinge. Jene zeichnen sich besonders durch ihre rothbraune Hautfarbe aus. Diejenigen von ihnen, welche ihre Freiheit noch bis jetzt behaupten, leben meistens unter kleinen Fürsten (Kaziken) als Nomaden; ihrer werden aber immer weniger, da sich die Europäer von Zeit zu Zeit mehr ausbreiten. Die übrigen Americaner haben sich mit den Fremdlingen vermischt. Diese sind entweder Europäer aller Nationen, oder Neger, die aus Afrika herüber gebracht als Sclaven der Europäer in Zucker= und Caffeeplantagen und in Bergwerken arbeiten müssen, und deren Loos äusserst traurig ist.

 

             America ist überhaupt sehr menschenarm, und die wahre Anzahl seiner Bewohner ist noch so gut als völlig unbekannt, daher die grosse Verschiedenheit in den Angaben. Manche Reisende und Schriftsteller setzen die Bevölkerung auf 300, Andere zu 150, noch Andere gar nur zu 25 Millionen Individuen an. Die Wahrheit liegt gemeiniglich in der Mitte, so dass Morse’s Angabe mit 60 Millionen wohl die richtigste zu seyn scheint. Viele glauben, dass die ursprünglichen Einwohnerdieses Welttheils niemals die Summe von 4 – 5 Millionen überstiegen haben. Wenn es schon seine Schwierigkeiten hat, die Bevölkerung in civilisirten Ländern genau zu wissen und bestimmt anzugeben, so muss es beinahe unmöglich seyn, die Menschenzahl eines unermesslichen Continents auszumitteln, das noch grösstentheils mit Wäldern, Morästen, Seen, Steppen und Gebirgen bedeckt ist, in und an welchen eine grosse Zahl wilder Völkerschaften unstät herumirrt, denen es selbst niemals eingefallen ist,  ihre eigene Anzahl zu wissen. Man weiss auch, dass die Spanier und Portugiesen, in deren Besitz der beträchtlichste und bevölkertste Theil der neuen Welt ist, sehr aufmerksam darauf sind, die genaue Kenntniss ihrer Stärke in diesen Ländern im Dunkel zu verbergen, und als ein grosses Geheimniss zu erhalten. – 

 

             Sehen wir bei der Eintheilung aller Americanischen Nationen auf ihre Abstammung und die Verschiedenheit der Rassen, so wie auf die Hauptsprachen, welche sie reden, so wird folgende Classification zur Erleichterung der Uebesicht dienen.

 

A.         Nach Abstammung und Verwandtschaft.

             Ureinwohner, deren Anzahl aber jetzt gering ist. Sie tragen noch das Gepräge ihrer ursprünglichen Abstammung im Lande selbst, unterscheiden sich, ausser ihrer Kupfer=  oder Ziegelbraunenfarbe, noch durch ihr straffes, langes, dünnes und schwarzes Haar, die wenigen Barthaare (Viele haben gar keine), den untersetzten Wuchs, die kurze Stirn, die tiefliegenden, lang gespaltenen Augen, deren Winkel gegen die Schläfe zu, schräg zulaufen, die etwas eingedrückte, doch hervorstehende Nase, durch das überhaupt breite, aber nicht flache oder eingedrückte Gesicht mit hervorstehenden Backenknochen, die grossen Lippen, um den Mund die Züge einer natürlichen Sanftheit, der gegen ihren finstern, strengen Blick sehr absticht. Sie sind nach der Vermuthung mehrerer Geschichtforscher aus den nordöstlichen Gegenden Asiens eingewandert, höchst wahrscheinlich aber, wie die der neuen Welt eigenthümlichen Gewächse und Thiere, unmittelbar aus der Hand des Schöpfers hervorgegangen.

 

             Fremde Ankömmlinge, grössstentheils aus Europa, in den Spanischen Besitzungen Gachupinos genannt, namentlich Spanier, Portugiesen, Engländer, Holländer, Franzosen, Teutsche, Russen u. f. w. – Von ihnen in der Folge ein Mehreres. –

 

             Unter diese Rubrik zählen wir mit Recht auch Die Neger, welche durch die Versetzung aus ihrem Vaterlande Afrika auf die Westindischen Inseln, oder auf das feste Land, hier ebenfalls einheimisch geworden sind. Man rechnet, dass ihrer, ein Jahr ins andere gerechnet, alljährlich 80,000 aus Afrika nach America gebracht werden.  Eine böse, halsstarrige Rasse von  Menschen. – Die Kreolen, d. i. die ausser Afrika gebornen Neger, sind nicht so schlimm, auch klüger und gewandter, und daher brauchbarer, als die ursprünglichen Afrikaner. Die alten Neger, welche schon lange auf den Zucker = und Caffeeplantagen gedient haben, verachten ihre neuankommenden Landsleute uns sprechen nicht mit ihnen, um nicht für geborne Afrikaner gehalten zu werden. Die Kreolen nennen die neuen Ankömmlinge Salzköpfe, Guineavögel, sich halten sie hingegen für kluge Köpfe, geben sich auch wohl für Spanier oder Portugiesen aus. – Die aus Afrika kommenden Neger und viele, schon einige Jahre in Westindien lebende Sclaven, sind so unfähig und abgeneigt gegen die Befehle der Europäer, so gefährlich für ihre Herrn und Mitknechte, und so in Laste versunken, dass sie Verachtung und Abscheu verdienen. Freilich werden sie es oft erst durch die harte und grausame Behandlung ihrer Despoten, aber dennoch scheint ihre Gemüthsart schon ursprünglich von Hause aus verdorben zu seyn. Die wenigsten sind zu bessern, oder auch nur der Besserung fähig, es müsste denn seyn, dass sie noch sehr jung nach Westindien gebracht würden.

 

             Ihre Kinder werden von Geschlecht zu Geschlecht besser, und daraus entsteht die Rasse der Kreol = Neger, die sich doch schon so weit veredelt haben, dass sie die Regungen der Schamhaftigkeit fühlen und so viel Biegsamkeit besitzen, dass man sie schon durch genaue Aufsicht, Verweise, kleine Belohnungen oder Beschimpfungen, ohne Peitsche, zu ihrer Arbeit antreiben und vom Bösen abhalten kann. Am meisten aber unterscheiden sich die Kreol = Neger von den Afrikanischen dadurch, dass sie weniger zur Völlerei und andern Lastern geneigt sind. Ueppig, rachgierig, feigherzig und verschmitzt sind sie aber, so gut, wie die andern. Ihr Körper und Gesicht sind indessen nicht so hässlich und ihre Gesundheit ist dauerhafter, weil sie schon eher an das Klima gewöhnet sind. Jene glauben sich durch viele und harte Arbeiten, zu welchen sie die Sclaven nöthigen, und durch die geringe Kost, welche sie ihnen reichen, aus ihren Schulden zu reissen und wieder in bessere Umstände zu versetzen. Diese machen auswärts mehr Aufwand und brauchen daher mehr Einnahme von ihren Gütern, welche dann die Verwalter ebenfalls durch Härte und verdoppelte Arbeiten zu erpressen wissen.

 

             Die Hütten dieser armen Sclaven sind ziemlich geräumig und auch dauerhaft gebaut und mit dem nothwenigsten Geräthe hinlänglich versehen. Die kleinen Gärten und Felder, welche den Negern zu ihrem Unterhalte angewiesen werden, geben fleissigen Arbeitern ein hinreichendes Auskommen, und setzten sie in den Stand, Schweine und Federvieh zu halten, aus deren Verkauf, so wie von den überflüssigen Gartengewächsen Viele sich etwas Eigenthum sammeln. Ihre Arbeit ist im Ganzen, zumal bei gelinden Herrn, viel leichter und kürzer, als bei unsern Europäischen Landleuten und Handwerkern. Früh 6 Uhr beginnt ihr Tagewerk und höret Abends 6 Uhr auf; dazwischen sind ihnen zum Frühstück ½ und zum Mittags= und Abendessen 2 Stunden vergönnt, so dass sie in allem 9 ½ Stunde für ihre Herren arbeiten.

 

             Ihr Loos ist, einzelne Misshandlungen und Grausamkeiten abgerechnet, dennoch erträglicher, als das ihrer Mitbrüder in Afrika, so dass eine der abschreckendsten Drohungen gegen sie ist, wenn man äussert, dass sie von ihren eigentlichen, natürlichen Beherrschern auf das despotischste und grausamste behandelt werden. Bei aller Geringschätzung, der sie als Sclaven von jedem, sich weit über sie erhaben dünkenden, christlichen Europäer ausgesetzt sind, achtet man sie doch mehr, als die eingebornen Uramericaner, die als ganz dumm und unfähig, völlig mit Verachtung angesehen werden. Diese dienen daher auch den Negern ohne Bedenken, da hingegen ein Neger sich sehr entehrt halten würde, wenn er einem Americaner Dienste leisten sollte.

 

Ausführlichere Nachrichten von dieser unglücklichen Menschenclasse werden wir weiterhin bei der Bearbeitung von Westindien mittheilen.

 

Aus den verschiedenen Vermischungen der Europäer mit Negerinnen entstehen mehrere Spielarten, unter denen wir folgende als die hauptsächlichsten bemerken:

 

             a)         Mulatten, Sie sind die Kinder weisser Europäischer Väter und Negermütter. Ihre Farbe ist schwärzlich gelb              und viele sehen den Spaniern nicht unähnlich. Je nachdem Europäisches Blut von Süd= oder Nordländern              Europens in ihren Adern fliesst, sind ihre Geistes= und Körpereigenschaften bald feurig und lebhaft, bald schläfrig              und träge; vorherrschend ist aber immer die Europäische Tinctur vor der ihrer Mütter, der Afrikanischen. Ihre              Haare gräuseln sich nach Negerart, sind aber länger als die Haare der Neger. Sie werden von ihren Herren nicht so,              wie die andern Neger zur Feldarbeit, sondern mehr zu häusslichen Geschäften und Arbeiten gebraucht. Auch              sondern sie sich beständig von den Negern ab, obgleich auch ihnen manche Fehler derselben ankleben.

 

             b)         Mestizen, von Europäern und Americanerinnen oder kupferfarbenen Müttern. Sie kommen ihren weissen              Vätern mehr gleich, als den Müttern, und sind oft eben so weiss wie jene, haben auch wohl ein blondes Haar und              blaue   Augen. Gleichwohl werden sie, so gut wie die Mulatten, zu Sclavendiensten gebraucht, auch nicht selten              verkauft, und zwar um einen niedrigern Preis, als die Schwarzen, da man sie nicht zu so schweren Arbeiten, wie              diese, brauchen kann, sie müssten denn ein Handwerk erlernt haben, welches meistentheils der Fall ist. – Die              gewöhnliche Farbe der Mestizen ist indessen die röthliche, auch haben sie noch andere, sie auszeichnende,              körperliche Eigenheiten. Ihre Stirn       ist z.B. so klein, dass das Haupthaar beinahe die Augenbrauen berührt, und              ihre Schläfe sind ganz davon bedeckt. Es ist weit straffer, gröber und schwärzer als bei den Europäern. Ihr ganzer              Leib ist von schwarzen Flecken schäckig. An Muth und Stärke erreichen sie die Europäer nicht; vielmehr sind sie              feigherzig, träge und zu schweren, anhaltenden Arbeiten ungeschickt. Nur feine Handarbeiten machen sie gut, und              zwar oft mit den schlechtesten Werkzeugen. Viele legen sich daher auf die Malerei=, Bildhauer, Gold= und              Silberarbeiterkunst.

 

             c)         Zambos oder Sambos, (im Spanischen America auch Lobos, und in Lima und in der Havannah Chinos, d.              i. Chinesen, gennant) sind Nachkömmlinge von Negern und Americanerinnen, oder auch von Negern und Mulatten.              Ihre Bildung ist mehr Afrikanisch, als Americanisch, und ihre Farbe aus der Farbe der Neger und Americaner              gemischt, mithin viel dunkler und schwärzer, als bei den Mulatten. Sie vereinigen die Fehler der Neger und              Americaner. Den Negern gleichen sie in der Falschheit, verrätherischen Arglist, Tücke, Rachgier und Schamlosigkeit              und im thierischen Schweigen. Stets mit starkem, niedergesenktem Blick stehend oder sitzend, reden sie nur selten              ein Wort, lachen noch seltener und fliehen vor den Waffen und Drohungen nicht bloss der Europäer, sondern auch              der Mestizen. Sie scheuen die Neger wie die Weissen und schliessen sich am liebsten an die Americaner an, zu              denen sie allein Zutrauen habe.

             d)         Terzerons, sind die Kinder von einem weissen Europäischen Vater und einer Mulattin, beinahe mit              denselben Anlagen und Eigenschaften wie die vorigen und a und b.

             e)         Quarterons, sind die Kinder von einem weissen Europäischen Vater und einer Terzeronin oder Mestize.              Von ihnen gilt dasselbe, was von den Terzerons gesagt wurde.

             f)          Quinterons, sind die Kinder von einem weissen Europäischen Vater oder Kreolen und einer Quarteronin.              Die Kinder von diesen Kindern werden den Weissen gleich geachtet.

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