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Historisches Wissen |
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Johann Gottfried Seume |
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Der Wilde Ein Kanadier, der noch Europens |
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Gedichte von Johann Gottfried Seume ( 1763 bis 1810 )
Seume wurde im Jahre 1763 als Sohn des Landwirts und vormaligen Böttchers Andreas Seume und der Bauerntochter Regine Liebing geboren. Er besuchte die Dorfschule und die Lateinschule des Rektors Korbinsky in Borna. Seume studierte 1780/81 an der Universität Leipzig Theologie und wurde 1781 auf dem Weg nach Paris von Soldatenwerbern ergriffen, zum Dienst in der Armee gezwungen und vom Landgrafen von Hessen-Kassel an England für den Kampf im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg verkauft. Nach neunwöchiger Überfahrt landete er im August 1782 bei Halifax in Kanada, wo es jedoch nicht mehr zu Kampfhandlungen kam. Seine Bewunderung für die natürliche Ungezwungenheit der Einwohner schlug sich in seinem oft zitierten Gedicht Der Wilde nieder: „Ein Kanadier, der Europens übertünchte Höflichkeit nicht kannte...“ In Halifax schloss er Freundschaft mit dem hessischen Offizier Karl von Münchhausen. Im August oder September 1783 wurde er nach Bremen zurücktransportiert und nach einem Fluchtversuch von Werbern des Preußenkönigs Friedrich II. nach Emden gebracht, wo er bis 1787 als Musketier diente. Zwei weitere Fluchtversuche scheiterten; ihm drohte die todbringende Strafe des Spießrutenlaufens, die durch Vermittlung von Oberst Wilhelm René de l'Homme de Courbière in eine Kerkerstrafe umgewandelt wurde. Seine Autobiographie, die auch die Qualen seiner Überfahrt nach Amerika schildert, verdient als Zeitzeugenbericht beachtet zu werden. Aufgrund seiner eigenen Erlebnisse als Soldat in Nordamerika und Deutschland, setzte er sich besonders für die Freiheitsrechte einzelner Menschen und ganzer Völker ein. Obwohl er wohl recht umgänglich war, stieß er mit der Entschiedenheit seiner Anschauungen viele ab. Über seine asketische Lebensweise sagte er: „Ich trinke keinen Wein, keinen Kaffee, keinen Liqueur, rauche keinen Tabak und schnupfe keinen, esse die einfachsten Speisen, und bin nie krank gewesen, nicht auf der See und unter den verschiedensten Himmelstrichen.“ Ein weiteres, sehr berühmtes Zitat, das ihm zugeordnet wird, lautet: „Wo man singt, da lass' dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder.“ Hierbei handelt es sich mit einiger Sicherheit um eine im Volksmund entstandene Abwandlung einer Strophe seines Gedichtes Die Gesänge von 1804: „Wo man singet, lass dich ruhig nieder, Ohne Furcht, was man im Lande glaubt; Wo man singet, wird kein Mensch beraubt; Bösewichter haben keine Lieder.“
Diese Erzählung habe ich, als ich selbst in Amerika und in der dortigen Gegend war, als eine wahre Geschichte gehört. Sie interessierte mich durch ihre echte reine primitive Menschengüte, die so selten durch unsere höhere Kultur gewinnt. Ob man gleich ähnliche hat, so habe ich sie hier doch nicht unterdrücken wollen. |
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Zitate:
"Aus der Geschichte geht hervor, dass Bündnisse und Garantien meistens der erste Schritt zur Unterwerfung eines Teils, natürlich des Schwächern sind, wenn er nicht auf der Hut ist." – "Das Los des Menschen scheint zu sein, nicht Wahrheit, sondern Ringen und Wahrheit, nicht Freiheit und Gerechtigkeit und Glückseligkeit, sondern Ringen darnach." – "Das Schild der Humanität ist die beste, sicherste Decke der niederträchtigsten öffentlichen Gaunerei." – "Der Blödsinn und der Eigennutz haben die Privilegien erschaffen." – "Die Edeln und der Adel stehen gewöhnlich im Gegensatz." – "Die meisten Menschen haben überhaupt gar keine Meinung, viel weniger eine eigene, viel weniger eine geprüfte, viel weniger vernünftige Grundsätze." – "Die Nation, die nur durch einen einzigen Mann gerettet werden kann und soll, verdient Peitschenschläge." – "Die wahre Freiheit ist nichts anderes als Gerechtigkeit." – "Ehrenvolle, tätige Gefahr ist besser als der ruhige Schlaf eines Sklaven." – "Ein Glück für die Despoten, daß die eine Hälfte der Menschen nicht denkt und die andere nicht fühlt." – "Es wird mir schwer, die Ehre der Christen zu finden, aber ihre Schande sehe ich." – "Faulheit ist Dummheit des Körpers, und Dummheit Faulheit des Geistes." – "Ich bin der Meinung, dass alles besser gehen würde, wenn man mehr ginge... So wie man im Wagen sitzt, hat man sich sogleich einige Grade von der ursprünglichen Humanität entfernt... Fahren zeigt Ohnmacht, Gehen Kraft." – "Man darf die meisten Dinge nur sagen, wie sie sind, um eine treffliche Satire zu machen." – "Man verkauft uns meistens Gesetze für Gerechtigkeit und oft sind sie gerade das Gegenteil." – "Privilegien aller Art sind das Grab der Freiheit und Gerechtigkeit." – "Sich amüsieren heißt etymologisch: die Muße loswerden. Amüsement wäre also das Vergnügen der Plattköpfe." – "Über einen Regenten muß man kein Urteil haben, als bis er zwanzig Jahre regiert hat." – "Weh dem Lande, wo man nicht mehr singet." – "Wo man singet, laß dich ruhig nieder, […] Bösewichter haben keine Lieder." – "Wenn nur jeder sicher hätte, was er verdiente, so würde alles allgemein gut genug gehen." – "Wer den Tod fürchtet, hat das Leben verloren." – "Wir Wilden sind doch bessere Menschen" –
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